Stellungnahmen von Claudia Zscherneck und Sabine Heimsath zum Bürgerentscheid

23:25:46 24.03.2015 Sind Sie dafür, dass das Eigenheim (Kirchstr. 19-21) im Eigentum der Gemeinde Egelsbach bleibt? Eine Frage, die in den letzten Tagen an viele Egelsbacher gestellt wurde. Wer auf den ausliegenden Listen unterschreibt, verbindet mit seiner Unterschrift den Antrag auf Durchführung eines Bürgerentscheids zur vorgenannten Frage. Und viele haben spontan mit „Ja“ geantwortet. Aber ein „Ja“ hat Folgen, über die sich jeder bewusst sein sollte bevor er seine Unterschrift leistet. Nachfolgend lesen Sie die Stellungnahmen von Claudia Zscherneck und Sabine Heimsath, SPD Fraktionsmitglieder in der Gemeindevertretung und beide Mitglied im Sozial- und Kulturausschuss. Claudia Zscherneck: Warum sollen wir das Eigenheim erhalten? Weil es eine schöne Veranstaltungsstätte ist, mit der sicher jeder Egelsbacher seine ganz persönlichen Erinnerungen verbindet und die jeder auch gerne für die Zukunft erhalten möchte. Das sehe auch ich so. Mit dem Eigenheim verknüpfe ich ausgesprochen schöne Erlebnisse. Vor fast vier Jahrzehnten die erste eigene Teilnahme am Kinderfasching, weiter über die Erblebnisse als Jugendliche bei der Kerb, Fremdensitzungen und Weiberfasching bis aktuell zum Kinderfasching meiner eigen Kinder. Das Eigenheim ist ein Bestandteil meiner 44 Jahre in Egelsbach. Und jetzt einem Verkauf zustimmen? Auch noch als Sozialdemokratin? Das ist eigentlich ein absolutes Unding. Nicht nur, dass es die persönlichen Erinnerungen sind, die den Wunsch nach Erhaltung dieses Gebäudes stützen. Nein, da ist auch noch die Geschichte des Eigenheims. Sozialdemokratischer geht es eigentlich nicht mehr. Ein Gebäude, das Mitte der zwanziger Jahre von den Mitgliedern der Eigenheim-Genossenschaft unter größten Strapazen, Schwierigkeiten und finanziellen Opfern erbaut wurde, kann ich doch als Sozialdemokratin nicht so einfach veräußern. Nein, einfach ist es ganz sicher nicht. Viele vorhergehende Gemeindevertretungen haben sich seit der Sanierung 1984 immer wieder mit dem Eigenheim beschäftigt. Allerdings ohne dass sich etwas getan hätte. Es wurde nur immer mehr gespart. Die entsprechenden Sparmaßnahmen sind natürlich auch nicht spurlos am Eigenheim vorbeigegegangen. Das Eigenheim ist einfach in die Jahre gekommen. Und seit nunmehr fast 1 ½ Jahren beschäftigt das Thema „Versammlungsstätte“ die aktuelle Egelsbacher Gemeindevertretung. In vielen Stunden haben die einzelnen Fraktionen Unterlagen gesichtet, Möglichkeiten hinsichtlich Erhalt oder Neubau einer Versammlungsstätte besprochen und letztendlich jede für sich ihre Entscheidung getroffen. Natürlich lohnt es sich das Eigenheim zu erhalten. Aber es steht immer die Frage dahinter „Können und wollen wir uns das auch leisten? Oder sollten wir mit dem Geld lieber etwas Neues bauen?“ Jeder, der einmal einen Altbau saniert hat, weiß wie viel Geld man letztendlich hinein stecken muss. Und danach hat man immer noch ein altes Gebäude. Mit all seinen Macken und Problemen. Solange man über ausreichende Mittel verfügt, lässt sich sicher für alles eine Lösung finden. Aber Egelsbach muss sparen. Hinzu kommt, dass das Eigenheim nicht mehr zeitgemäß ist. Einige wenige Großveranstaltungen sind zwar durchaus schön, erfüllen aber nicht den Sinn und Zweck einer Versammlungsstätte. Eine Versammlungsstätte muss von einer breiten Schicht der Bevölkerung möglichst oft genutzt werden. Das führt für zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die bestehenden Ansprüche nur durch einen Neubau erfüllt werden können. Auch und gerade als Schutzschirmkommune können wir uns einen Neubau leisten. Selbstverständlich keinen unerschwinglichen Prunkbau, sondern einen, der die Bedürfnisse der Egelsbacher abdeckt und den wir bezahlen können. Das gilt insbesondere für die laufenden Kosten. Sabine Heimsath: Ich finde die Diskussion im Moment etwas unausgewogen. Ich bitte zu bedenken, dass es ein paar Vereine in Egelsbach gibt, die naturgemäß ein großes Interesse am Eigenheim haben. Diese stellen einen Teil der Bürger dar, die das Eigenheim an wenigen Tagen im Jahr nutzen. Es ist eine Versammlungsstätte in Planung, die räumlich anders aufgeteilt ist. Diese können alle Bürger und Interessenten nutzen, also neben Kerbborschen, KGE und Tanzsportclub auch Leute, die privat feiern wollen. Vereine, die Flohmärkte veranstalten oder Versammlungen abhalten wollen, Firmen für Seminare, der Kulturverein für Veranstaltungen etc. Dadurch steigt die Auslastung übers Jahr erheblich. Es rechnet keiner damit, dass sich eine Versammlungsstätte in Egelsbach selbst trägt, sie wird ein Zuschussgeschäft bleiben, aber man kann das Minus zumindest reduzieren und den Nutzen für das Gemeindeleben erhöhen. Alle Fraktionen waren sich während der Schutzschirmverhandlungen noch einig, dass zwei Versammlungsstätten zu viele Kosten verursachen. Was passiert, wenn das Eigenheim jetzt mit großem Aufwand (es ist eben nicht mit ein bisschen Farbe und ein paar Schrauben getan) am Leben gehalten wird? Wird dann das Bürgerhaus geschlossen, um die laufenden Kosten im Rahmen zu halten? Mich erinnert das an eine Situation, wie sie in vielen Familien vorkommen könnte: Es ist schon geplant, eine 'Familienkutsche' zu kaufen, weil die vierköpfige Familie sie dringend für verschiedene Unternehmungen braucht. In der Garage steht ein altes Liebhaberstück, das zwar noch leidlich fährt, aber nur mit viel Geld und Mühe noch einmal durch den TÜV zu kriegen ist. Außerdem ist es leider nur ein zweisitziges Cabrio, was die Nutzungsmöglichkeiten enorm einschränkt. Zwei Personen der Familie gucken bei dieser Möglichkeit auf jeden Fall in die Röhre. Da ist es doch sinnvoller, das dafür benötigte Geld in eine längerfristige Lösung zu stecken, von der mehr Personen etwas haben. Ich finde, auch die 'stillen' Mitbürger, die gar nichts davon haben, wenn das Eigenheim am Leben erhalten wird, die aber von einer neuen Versammlungsstätte profitieren würden, haben Fürsprecher verdient. Denn ist auch ihr Geld, das hier ausgegeben wird. Fazit Sabine Heimsath und Claudia Zscherneck: Egelsbach braucht eine Versammlungsstätte. Wir können uns nicht mehrere Versammlungsstätten (Eigenheim, Bürgerhaus, neue Versammlungsstätte) leisten. Die Versammlungsstätte muss den Bedürfnissen eines möglichst großen Teils der Egelsbacher Bevölkerung gerecht werden und bezahlbar sein. Bis zum Bau einer neuen Versammlungsstätte ist die SPD gerne bereit, die z.B. der Kerbgemeinschaft und der KGE entstehenden Mehrkosten ihrer Veranstaltungen durch finanzielle Unterstützung abzufedern. Die SPD möchte lieber dafür Mittel in Haushalt einstellen als es für Gutachter zu verwenden, die die Instandsetzungskosten des Eigenheims ermitteln. Liebe Egelsbacher, Sie entscheiden, wie wir in unserer Gemeinde weiter machen. Die Fraktion der SPD wird Ihre Entscheidung zum Eigenheim respektieren, auch wenn es für uns ein Umdenken bedeuten sollte. Wir hoffen aber, dass Sie unsere Intention teilen und mit uns gemeinsam ein zukunftsorientiertes Egelsbach anstreben. Insofern von unserer Seite ein klares „Ja“ zum Neubau einer modernen, energieeffizienten und vielseitig nutzbaren Versammlungsstätte. Das bedeutet aber auch gleichzeitig ein „Nein“ zum Verbleib des Eigenheims im Eigentum der Gemeinde. Für die Fraktion der SPD Sabine Heimsath und Claudia Zscherneck

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